"Es ist besser, Deiche zu bauen, als darauf zu hoffen,
dass die Flut allmählich Vernunft annimmt."



Das Leben der Menschen an der Küste ist seit den Anfängen der Besiedlung durch den ständigen Kampf gegen das Vordringen des Meeres geprägt. Nach der letzten Eiszeit vor rund 10.000 Jahren verlief die Küstenlinie von Mittelengland über die Doggerbank nach Nordjütland. Seither ist der Meeresspiegel um ca. 40 m angestiegen, was zu einem Vordringen der Nordsee um rund 300 km nach Süden führte. Zunächst schützten die Küstenbewohner sich dadurch, dass sie ihre Behausungen auf Erdhügeln (Warften) errichteten. Später wurde erste Deiche errichtet, um auch ihre Ländereien vor einer Überflutung durch salziges Meerwasser zu schützen. Immer wieder aber durchbrachen schwere Sturmfluten die Deiche und verursachten große Verluste. Allein in der Marcellusflut vom 16. Januar 1362 verloren an der Nordseeküste etwa 100.000 Menschen ihr Leben.

Schwere Sturmfluten in der neueren Zeit waren die von 1825, 1855, 1906, 1962 und 1976. Inzwischen aber hatte der Deichbau, insbesondere nach 1962, einen solchen Stand erreicht, dass sich die Verluste in Grenzen hielten. Im Kampf gegen die Naturgewalten gibt es aber keinen Stillstand. Der Wasserspiegel der Nordsee steigt weiter und mit ihm die Sturmfluthöhen.

„De nich will dieken, mut wieken“



Aufgaben des Verbandes


Aufgabe des Ostedeichverbandes ist es, das Verbandsgebiet vor Sturmfluten zu schützen. Die Verbandsgebiete sind im Niedersächsischen Deichgesetz (NDG) festgelegt. Sie umfassen die zu schützenden Gebiete, die von der obersten Deichbehörde durch Verordnung nach der Höhe des maßgebenden Sturmflutwasserstandes im Einzelnen abgegrenzt sind.

Der Elbe- u. Ostedeich im Verbandsgebiet mit einer Gesamtlänge von ca. 70 km bedarf der ständigen Pflege und Unterhaltung. Nur dadurch ist ein wirksamer Schutz vor Überflutungen und eine gewisse Sicherheit der gefährdeten Grundstücke zu gewährleisten. Die entstehenden Kosten müssen durch Beiträge gedeckt werden, da keinerlei Zuschüsse hierfür gewährt werden.

Die Verbandsorgane sind stets bemüht, den Aufwand möglichst gering zu halten, damit die Belastung der Grundstückseigentümer in einem erträglichen Rahmen bleibt. Die Deichunterhaltung ist deshalb überwiegend auf
Deichnutzer, das sind Anwohner am Deich, Landwirte oder in Teilbereichen Schäfer, übertragen worden, die den Deich in der Regel beweiden. Der Umfang der Unterhaltungspflicht und des Nutzungsrechtes ist vertraglich geregelt. Alleine für die Nutzungsentschädigungen sind z. Zt. jährlich 78.000 Euro aufzuwenden. Die Einhaltung dieser Verpflichtungen wird von den Deichgeschworenen überwacht.


Über das Maß der normalen Unterhaltung hinausgehende Arbeiten, wie z.B. Beseitigung von Treibsel, Reinigung von Deichentwässerungsgräben, Gehölzschnittarbeiten und Unterhaltung von Deichverteidigungs- und Treibselräumwegen, werden in der Regel vom Bauhof des Unterhaltungsverbandes Untere Oste ausgeführt und nach Aufwand abgerechnet. Dieses stellt eine sehr wirtschaftliche Lösung dar.


Der Verband hat außerdem Vorsorge für die Deichverteidigung zu treffen, indem Deichverteidigungspläne erarbeitet werden und wichtige Materialien, wie z.B. Sandsäcke, die im Sturmflutfall benötigt werden, vorgehalten werden.


Alle Verwaltungsarbeiten einschl. Geschäftsführung werden in der Geschäftsstelle vom Personal des Unterhaltungsverbandes Untere Oste durchgeführt. Dies begründet auch die gleiche Anschrift im Briefkopf von beiden genannten Verbänden. Die durch diese Kooperation sehr günstigen Verwaltungskosten werden nach Aufwand abgerechnet.


Die Aufsicht über den Ostedeichverband führen die Unteren Deichbehörden (Landkreise Rotenburg, Stade und Cuxhaven) und die Obere Deichbehörde (Niedersächsisches Umweltministerium). Sie haben sicherzustellen, dass der Verband die gesetzlich übertragenen Aufgaben ordnungsgemäß erfüllt. Das geschieht insbesondere durch je eine Frühjahrs- und Herbstdeichschau. Sofern der Verbandsdeich den gestellten Anforderungen entspricht, wird er von der Unteren Deichbehörde für „schaufrei“ erklärt. Andernfalls müssen festgestellte Mängel umgehend beseitigt werden.

 


Treibsel am Elbdeich nach der November-Sturmflut 2007
 

Gesetzliche Grundlagen

Der Ostedeichverband wurde als einer von 23 Hauptdeichverbänden in Niedersachsen durch das Niedersächsische Deichgesetz (NDG) vom 23.02.2004 gesetzlich gegründet. Er ist nach § 7 (1) des NDG als Wasser- und Bodenverband zur Erhaltung der Haupt- und Schutzdeiche verpflichtet. Maßgeblich ist dabei das Recht der Wasser- und Bodenverbände (Wasserverbandsgesetz (WVG) vom 12.02.1991) zu beachten. Der Verband ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts und hat seinen Sitz in Hemmoor.


Die
Konstituierung führte gemäß § 37a NDG in Verbindung mit § 7 ff des Wasserverbandsgesetzes der Landkreis Cuxhaven als zuständige Aufsichtsbehörde durch.

Die Aufgaben des Verbandes, die Rechte und Pflichten der Verbandsmitglieder sowie Bestimmungen über die Bildung der Organe und über die Beitragserhebung ergeben sich aus der
Verbandssatzung vom 01.04.2004, die im Amtsblatt des Landkreises Cuxhaven Nr. 14 am 15.04.2004 veröffentlicht wurde und auch in der Geschäftsstelle eingesehen werden kann.

Die
Verbandsmitgliedschaft ist in § 6 NDG verankert. Danach ist jeder Eigentümer und Erbbauberechtigte eines Grundstückes „automatisch“ Mitglied des für den jeweiligen Bereich durch Gesetz für zuständig erklärten Deichverbandes. Mitglieder des Ostedeichverbandes sind die Eigentümer aller im Schutze des Elbedeiches, des linksseitigen Ostedeiches und des Oste-Sperrwerkes gelegenen Grundstücke.


Der Ostedeichverband ist Mitglied des Wasserverbandstages Niedersachsen, Bremen und Sachsen-Anhalt e.V.

Verbandsanlagen

Vom Verband werden folgende Anlagen unterhalten:

  5,1 km Elbdeich (Hauptdeich)
  67,5 km Ostedeich (Schutzdeich)
  0,86 km Flankendeich am Über-
   schwemmungsgebiet Fresenburg
  diverse Deichverteidigungswege
  diverse Deichentwässerungsgräben

18 Stck. Deichlücken werden von den
jeweiligen Nutzern unterhalten.


Geschäftsstelle


Der Ostedeichverband hat eine gemeinsame Geschäftsstelle mit dem Unterhaltungs-verband Untere Oste (UHV). Diese befindet sich in der Mitte des Verbandsgebietes in Hemmoor.

Anschrift: Oestinger Weg 40, 21745 Hemmoor
               Fax: 0 47 71 / 52 88

Die Geschäftsstelle ist für Sie geöffnet von Montag – Freitag von 07.30 – 12.00 Uhr oder nach Vereinbarung. Telefonisch erreichen Sie uns unter folgenden Rufnummern:
 Name  Telefon  Mobilfunk  E-Mail
 Hans Wilhelm Saul
 (Oberdeichgräfe)
 04771-3020 0170-3172829  hw.saul@t-online.de
 Geschäftsstelle  04771-6508-0    info@ostedeichverband.de
 Ulrich Gerdes (Geschäftsführer)  04771-6508-0  0160-96319645  ulrich.gerdes@ostedeichverband.de
 Karin Reinhold (Verbandskasse)  04771-6508-12    karin.reinhold@ostedeichverband.de
 Bernd Hadeler (Techniker)  04771-6508-15  0160-96319644  bernd.hadeler@ostedeichverband.de
 Sonja Thörmer (Beiträge)  04771-6508-13    sonja.thoermer@ostedeichverband.de
 Anja Borchers (Beiträge)  04771-6508-14    anja.borchers@ostedeichverband.de
 Gerda Gieschen (Sekretariat)  04771-6508-11    gerda.gieschen@ostedeichverband.de

Kleines Deich-ABC


Deich 
- Erddamm zum Schutz gegen Hochwasser und Sturmfluten

Deichanlieger  - Anwohner am Deich

Deichberme  - flach geneigter unterer Teil der Deichböschung

Deichbestick  - behördlich festgestellte Deichabmessungen

Deichbuch  - Verzeichnis aller im Deich befindlichen Anlagen

Deicherde  - für den Deichbau geeigneter Kleiboden

Deichgraben (Rhynschloot)  - Graben zur Entwässerung des Deichkörpers

Deichkrone  - obere Abrundung des Deiches

Deichordnung  - alte Bezeichnung für Deichgesetz

Deichprofil  - Querschnitt eines Deiches

Deichpflichtig  - sind alle Haus- und Grundeigentümer im geschützten Gebiet

Deichrampe (Deichtrift)  - Deichüberfahrt

Deichgeschworener (Deichricher)  - Vorstandsmitglied eines Deichverbandes, soweit nicht Vorsteher oder stellv. Vorsteher

Deichschart (Deichlücke, Deichgatt)  - durch Tore oder Dammbalken verschließbare Deichdurchfahrt

Deichschau  - Überprüfung des Deiches durch die Schaukommission

Deichschleuse  - Siel

Deichverband (Deichacht, Deichband)  - Körperschaft des Öffentl. Rechts für die Deichunterhaltung und –erhaltung

Deichverteidigung  - Vorkehrungen für die Verteidigung des Deiches im Gefahrenfall

Deichvorland (Außengroden, Heller)  - Landfläche zwischen Gewässer und Deichkörper

Oberdeichgräfe (Oberdeichgraf, Schultheiß, Deichhauptmann, Deichrichter, Deichgraf)  - Vorsteher eines Deichverbandes

Pütte  - Entnahmestelle für Deicherde (Kleiboden)

Schardeich  - Deich ohne schützendes Vorland

Schlafdeich  - ehemaliger Hauptdeich, der durch Vordeichung seine Funktion verloren hat. Häufig dient er als zweite Deichnlinie

Schöpfwerk  - Pumpwerk im Deich zur künstlichen Entwässerung des Binnenlandes

Sicherungswerke  - Anlagen in Deichnähe zum Schutz des Deichkörpers in besonders gefährdeten Bereichen, z. B. Buhnen, Deckwerk, Pfahlwand

Siel  - Schleuse im Deich für die natürliche Entwässerung des Binnenlandes

Sommerdeich  - Deich zum Schutz von Außendeichflächen im Vorland des Hauptdeiches gegen Sommerhochwasser

Treibsel (Teek)  - abgestorbene Pflanzenteile, die insbesondere bei Sturmfluten an den Deich gespült werden und kostenaufwändig entsorgt werden müssen